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Das Projekt

Der Ideengeber

Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts

Papst Johannes Paul II.

Papst Johannes Paul II. schrieb im Jahr 1994 an die gesamte katholische Kirche:

"Am Ende des zweiten Jahrtausends ist die Kirche erneut zur Märtyrerkirche geworden. (…) In unserem Jahrhundert sind die Märtyrer zurückgekehrt, häufig unbekannte, gleichsam 'unbekannte Soldaten' der großen Sache Gottes. Soweit möglich dürfen ihre Zeugnisse in der Kirche nicht verloren gehen. Wie beim Konsistorium empfohlen wurde, muss von den Ortskirchen alles unternommen werden, um durch das Anlegen der notwendigen Dokumentationen nicht die Erinnerung zu verlieren an diejenigen, die das Martyrium erlitten haben" (Apostolisches Schreiben Tertio millennio adveniente, Nr. 37).

Der polnische Papst hatte die menschenverachtenden Ideologien des 20. Jahrhunderts in ihren Auswirkungen am eigenen Leib erlebt. Als junger Mann verbarg er sich in seinem Heimatland vor dem Zugriff der SS-Schergen, um der Deportation und dem Schicksal eines Zwangsarbeiters in Deutschland zu entgehen. In einem geheimen Priesterseminar bereitete er sich im von Deutschland besetzten Polen auf seine Priesterweihe vor. Als Erzbischof und Kardinal von Krakau trotzte er den kommunistischen Machthabern in seiner Heimat.

Die Entstehungsgeschichte: Eine Mammutaufgabe

Papst Johannes Paul II. bei der Übergabe des Martyrolgiums am 18.11.1999 im Vatikan (v.l.n.r.: Papst Johannes Paul II., Weihbischof F. Eisenbach, Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz K. Lehmann; Prälat H. Moll)

"In unserem Jahrhundert sind die Martyrer zurückgekehrt, häufig unbekannte, gleichsam 'unbekannte Soldaten' der großen Sache Gottes. Soweit als möglich dürfen ihre Zeugnisse in der Kirche nicht verloren gehen. Wie beim Konsistorium empfohlen wurde, muß von den Ortskirchen alles unternommen werden, um durch das Anlegen der notwendigen Dokumentation nicht die Erinnerung zu verlieren an diejenigen, die das Martyrium erlitten haben."

Mit diesen Worten in seinem Schreiben "Tertio millennio adveniente" vom 10. November 1994 lenkte Papst Johannes Paul II. den Blick auf eine bis dahin kaum wahrgenommene Realtiät der Kirche. Sie machte sich auf den Weg machte, die Schwelle zum dritten christlichen Jahrtausend zu überschreiten. Das zu Ende gehende 20. Jahrhundert war nicht allein das Jahrhundert, das von den schrecklichen menschenverachtenden Ideologien des Nationalsozialismus und des Kommuismus verwüstet worden war. Unzählige Männer und Frauen erlitten um ihres Glaubens willen Verfolgung und Tod und waren zu Zeugen Christi geworden. Ihr Zeugnis sollte dem Vergessen entrissen werden.

Auf Initiative des damaligen Erzbischofs von Köln Kardinal Joachim Meisner beauftragte die Deutsche Bischofskonferenz den Kölner Diözesanpriester Prälat Prof. Dr. Helmut Moll mit der von Papst Johannes Paul II. gewünschten Dokumentation. Prälat Moll erwies sich als Historiker und durch seine Tätigkeit an der Glaubenskongregation in Rom und Mitarbeit in der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen als gut vorbereitet für die große Aufgabe.

Ohne eine Vorlage begann Prälat Moll das Material zu sammeln. Die Diözesen und Ordensgemeinschaften stellten ihm Ansprechpartern an die Seite. Darüberhinaus trugen Historiker und andere Fachleute Lebensbilder zusammen. Etwa 160 Fachleute arbeiteten unter der koordinierenden Hand des Prälaten. Schnell wurde deutlich, dass zwei Bände erscheinen würden, um das gesammelte Material historisch wissenschaftlich verantwortlich zu präsentieren.

Rechzeitig zum großen Jubiläum des Jahres 2000 überreichte der damalige Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz Karl Lehmann mit dem Koordinator Prälat Moll die erste Ausgabe des deutschen Martyrologiums Papst Johannes Paul II. am 18. November 1999.

Zeugen für Christus

Die Kriterien für das Martyrologium im Verständnis der röm. kath. Kirche

Den verbindlichen Aussagen des Lehramtes folgend, sind für die Aufnahme in das Martyrologium folgende drei Kriterien bindend:

a. Die Tatsache des gewaltsamen Todes

(martyrium materialiter)

b. Das Motiv des Glaubens- und Kirchenhasses bei den Verfolgern

(martyrium formaliter ex parte tyranni)

c. Die bewußte innere Annahme des Willens Gottes trotz Lebensbedrohung seites des Opfers

(martyrium formaliter ex parte victimae)

Eine ausführliche Darlegung der Aufnahmekritierien aus der theologischen Einführung in das Martyrologium finden Sie in der Einleitung zum Hauptwerk.

Papst Franziskus erhält die 7. Auflage des deutschen Martyrologiums am 8. Mai 2019 bei der Generalaudienz im Vatikan.

Das Martyrologium in der 7. Auflage

Das deutsche Martyrolgium erfuhr sofort nach seinem Erscheinen ein hohes öffentliches Interesse. Binnen kürzester Zeit waren die Exemplare der ersten Auflage vergriffen. Die anhaltende Nachfrage machte eine sofortige zweite Auflage, noch im Jahr 2000, erforderlich. Im Jahr 2001 erschien die dritte Auflage, im Jahr 2006 die vierte, im Jahr 2010 die fünfte, in 2015 die sechste. Im März 2019 wurde die 7. Auflage ausgeliefert. Seit der 4. Auflage wurde das Werk ständig um neu erarbeitete Lebensbilder ergänzt. Das Werk umfasst in der gegenwärtigen Form annähernd 1000 Lebensbilder von Frauen und Männern, die in den Verfolgungen um ihres Glaubens willen zu Blutzeugen geworden sind.

Für die 7. Auflage aktualisierte Prälat Moll die Literaturhinweise und arbeitete neue Forschungsergebnisse in die Lebensbilder ein. Ein besonders Augenmerk galt den Blutzeugen, für die ein Selig- oder Heiligsprechungsverfahren eingeleitet wurde oder deren Verfahren zum Abschluss kamen. Auch in dieser Weise stellt das deutsche Martyrologium ein aktuelles Lebenszeugnis der Kirche dar.